Das Ende einer Epoche

20. 01. 2017

Schienenbus oder Uerdinger wurden sie genannt, die zweiachsigen Dieseltriebwagen der ÖBB Reihe 5081.

Die letzten vier ihrer Art quittierten Ende Dezember 2010 ihren Dienst bei den ÖBB. Kein anderes Fahrzeug stilisiert die Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg wie diese kleinen, nicht nur in Europa weit verbreiteten Fahrzeuge, die mit dazu beitrugen, der Bevölkerung leistbare und bequeme Mobilität zu bieten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Krieg standen Europas Bahnen vor einer mehr oder weniger zerstörten Infrastruktur. Viele Triebfahrzeuge waren zerstört, unbrauchbar oder auch zu schwer für Einsätze auf den stark in Mitleidenschaft gezogenen Bahnstrecken. Besonders schwach frequentierte Linien litten darunter, da ein Einsatz von großen Dampflokomotiven vielfach an deren Wirtschaftlichkeit und dem hohen Gewicht scheiterte. Daher entstand schon bald die Idee, mit leichten Dieseltriebwagen der Bevölkerung eine attraktive Reisealternative zu bieten um so viele Bahnstrecken wie möglich erhalten zu können. Denn die Konkurrenz, der Bus, wartete schon vor der Türe.

Bereits in der Zwischenkriegszeit entstanden in Österreich erste Leichtbautriebwagen, deren Erfolg noch ziemlich bescheiden blieb. In Deutschland entwickelten die Ingenieure einen den Autobussen nachempfundenen Dieseltriebwagen. Diese zweiachsigen Fahrzeuge verfügten über nur einen Unterflurmotor und wurden ab 1950 als VT 95 probeweise eingesetzt. Auf Grund der guten Erfahrungen im Betriebsalltag erfolgte ein erster Serienbau und auch die Weiterentwicklung zu einem zweimotorigen Fahrzeug, dem VT 98.

Auf die Entwicklungen in Deutschland aufmerksam wurden auch die Österreichischen Konstrukteure der Lok- und Waggonschmiede Simmering-Graz-Pauker (SGP) in Graz, die schon 1954 einen eigenen Schienenbus auf die Gleise stellten und versuchsweise einsetzten. Zwei Jahre später wurden die zwei Prototyp-Triebwagen als ÖBB Reihe 5080 samt ihren Beiwägen übernommen. Leider war den ambitionierten Fahrzeugen kein durchschlagender Erfolg beschieden und so unterblieb eine Serienfertigung zugunsten eines Ankaufs von drei Prototyp-Triebwagen aus Uerdingen in Deutschland.

Diese drei als 5081 bezeichneten Garnituren setzten ab 1964 nun auch in Österreich neue Maßstäbe im Personenverkehr auf Nebenbahnen. Letztlich starteten die ÖBB die Beschaffung einer größeren Serie der Schienenbusse nach deutschem Vorbild. Zur Belebung der Österreichischen Wirtschaft wurden jedoch die Serienfahrzeuge in Österreich in Lizenz von den Jenbacher Werken und von SGP-Wien gebaut. Bis 1967 kauften die ÖBB insgesamt 30 Motorwagen der Reihe 5081, 30 Beiwagen 7081 und 27 Steuerwagen 6581 an.

Die letzten vier Triebwagen wurden an verschiedene Vereine verkauft, wo sie museal erhalten werden sollen. In Österreich sind ehemalige ÖBB Schienenbusse im Museumsheizhaus Strasshof, bei der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte und beim Verein Erzbergbahn in der Steiermark erhalten geblieben. Auch von VT 95 Lizenzbauten finden sich in Österreich einige Vertreter wie zum Beispiel bei den Nostalgiebahnen in Kärnten oder bei der GKB.

In Kroatien und Serbien wurden die allerletzten Schienenbusse in Europa täglich im Personenverkehr eingesetzt. Doch auch dort ist die Herrlichkeit vorbei und die kleinen Fahrzeuge rollten in den letzten Jahren aufs Abstellgleis und wurden teilweise durch Neubaufahrzeuge ersetzt.