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Platz für die Zukunft am Wiener Nordwestbahnhof

13. 07. 2026

Aus einem ehemaligen Bahnareal entsteht im 20. Wiener Gemeindebezirk ein neues Stadtquartier. Eine aktuelle Studie zeigt: Der Nordwestbahnhof kann die Temperaturen nachts um rund 1 °C, lokal sogar bis zu 2,5 °C senken – und die gefühlte Temperatur tagsüber deutlich reduzieren.

Das alte Nordwestbahnhofareal
Visualisierung Nordwestbahnhof

Vom Frachtenbahnhof zum Stadtquartier

Der Nordwestbahnhof war über Jahrzehnte ein wichtiger Frachtenbahnhof und eine Drehscheibe für Logistik. Heute ist er das wichtigste innerstädtische Stadtentwicklungsgebiet Wiens. Damit wir den Platz für mehr Lebensraum schaffen können, müssen rund 45 alte Gebäude und befestigte Flächen abgetragen werden. Diese sogenannte "Freimachung" erfolgt in zwei Phasen und dauert insgesamt vier Jahre (2024 – 2028). Erst danach kann die Stadtentwicklung auch Wirklichkeit werden. Auf dem 44 Hektar großen Areal entsteht bis 2035 ein neues Stadtviertel mit Wohnungen für 16.000 Menschen, 4.700 Arbeitsplätzen und einer 10 Hektar großen „Grünen Mitte“.
Eine aktuelle Mikroklimastudie des Austrian Institute of Technology (AIT) im Auftrag der ÖBB zeigt: Die Entwicklung des Nordwestbahnhof-Areals im 20. Bezirk wird das Mikroklima im Grätzl durch Begrünung, Entsiegelung und gezielte Freiraumgestaltung künftig spürbar verbessern und die Hitzebelastung reduzieren.  

Die konkreten Ergebnisse der Mikroklimastudie

  • Nächtliche Abkühlung: Die Temperaturen im Projektgebiet können künftig nachts um rund 1 °C sinken, lokal sogar um bis zu 2,5 °C. 

  • Weniger Tropennächte: Schon 1 °C nächtliche Abkühlung kann die Dauer von Hitzewellen im Gebiet im Schnitt um einen Tag verkürzen und – je nach Umgebung – zu rund drei Tropennächten weniger pro Jahr führen. Davon profitieren künftige Bewohner:innen und Anrainer:innen in den umliegenden Straßen. 

  • Bessere gefühlte Temperatur: Besonders deutlich wird der Effekt in den heißesten Stunden des Tages: Dank Bäumen, Grünflächen und Beschattung sinkt die maximale gefühlte Temperatur großflächig um rund zehn Grad. An einzelnen Standorten werden beim Tagesmaximum sogar Verbesserungen von mehr als 20 °C erreicht. 

  • Mehr Lebensqualität: Kühlere Nächte und bessere Abkühlung erhöhen Aufenthalts- und Schlafqualität und können positive Effekte auf die Gesundheit haben. 

  • Weniger Kühlbedarf: Die Abkühlung reduziert auch den Energiebedarf für die Gebäudekühlung. 

  • Grüne Mitte als Klimafaktor: Ausschlaggebend sind vor allem Beschattung durch 2.200 neue Bäume, großzügige Grünflächen, Entsiegelung und bessere Durchlüftung dank offener Verbindungen zwischen den Gebäuden für bessere Luftzirkulation und Achsen, welche die kühlere Luft vom Wienerwald und Donauraum hereinströmen lassen. 

Darstellung NWBH Temperaturentwicklung

Lufttemperatur um 02:00 Uhr an einem typischen Hitzetag im gegenwärtigen Bebauungszustand. Links: Status Quo, Rechts: Unter Berücksichtigung des aktuellen Planungsstandes.

Warum das für die Brigittenau wichtig ist

Gerade dicht bebaute Stadtteile wie die Brigittenau profitieren von solchen Effekten: Weniger Hitzebelastung, kühlere Nächte, bessere Schlafqualität und geringerer Kühlbedarf machen den Nordwestbahnhof zu einem Beispiel für klimafitte Stadtentwicklung in Wien. Die Studie zeigt damit konkret, wie Grünräume, Entsiegelung und Beschattung ein neues Stadtquartier und sein Umfeld wirksam gegen urbane Hitze stärken können. 

Handle with Care

Besonders wichtig ist der Umgang mit den großen Mengen an Abbruchmaterial. Dabei achten wir auf ein verwertungsorientiertes Rückbaukonzept. Das heißt: Direkt vor Ort wird das Material sortiert, eingestuft und auf einer Behandlungsinsel zerkleinert. So können Beton, Ziegel oder Metall getrennt erfasst und einer hochwertigen Verwertung zugeführt werden.

Entlastung für Mensch und Umwelt: Nach der Sortierung wird das Material überwiegend per Bahn abtransportiert. Etwa zwei Züge pro Woche fahren über die bestehenden Gleisanlagen zu spezialisierten Aufbereitungsanlagen. So können rund 95 % des Materials einer Verwertung zugeführt werden.  

Die Vorteile des Bahntransportes sind sogar deutlich messbar:

  1. 54 % weniger Treibhausgasemissionen
  2. 43 % weniger Feinstaubbelastung

Darüber hinaus gilt das Entwicklungsgebiet als Pilot für kreislauffähiges Bauen. Ziel ist es, Baustoffe im Kreislauf zu halten und so Ressourcen zu schonen und CO₂-Emissionen zu senken.

Stückguthalle Nordwestbahnhof

Schutz von Mensch, Tier und Pflanzen

Begleitet werden die Arbeiten von Fachpersonen, die Emissionen überwachen und ökologische Maßnahmen sicherstellen. Gebäude werden vor dem Abbruch kontrolliert, um Fledermäuse oder brütende Vögel zu schützen. Reptilien werden auf eigens angelegte Bio-Komplexe umgesiedelt. Auch für die Anrainer:innen gibt es klare Schutzmaßnahmen, etwa zeitlich begrenzte Arbeitsphasen und den Einsatz emissionsarmer Maschinen.

Bagger am Nordwestbahnhof
Visualisierung Nordwestbahnhof

FAQ: Nordwestbahnhof und Stadtklima

Warum ist der Nordwestbahnhof für das Stadtklima wichtig? 
Der Nordwestbahnhof ist die letzte große innerstädtische Entwicklungsfläche. Durch Begrünung, Freiräume und klimafitte Planung kann das Areal dazu beitragen, die Umgebung abzukühlen und die Lebensqualität im Grätzl zu verbessern. 

Was bedeutet klimafitte Stadtentwicklung?
 Klimafitte Stadtentwicklung berücksichtigt aktuelle und künftige klimatische Entwicklungen und gestaltet Stadtteile so, dass sie auch bei steigenden Temperaturen lebenswert bleiben. 

Wie kann ein neues Stadtquartier zur Abkühlung beitragen? 
Grünflächen, Bäume, offene Freiräume und gute Durchlüftung können helfen, die Temperatur zu senken. Sie speichern weniger Wärme als versiegelte Flächen und fördern Verdunstung sowie Luftaustausch. 

Stückguthalle Nordwestbahnhof
Visualisierung Nordwestbahnhof

Fazit

Der Rückbau vom Nordwestbahnhof ist mehr als ein technischer Schritt – er ist ein Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Der bewusste Umgang mit dem Abbruchmaterial zeigt, dass das Ende alter Strukturen den Beginn von etwas Neuem markieren kann: einem Stadtviertel, das von Anfang an auf Zukunft und Umweltverträglichkeit ausgerichtet ist.