Tag der Umwelt: Im Interview mit Sophie Lampl von Greenpeace

04. 06. 2020

Seit 1972 findet am 5. Juni der Tag der Umwelt statt. Dieser Tag soll vor allem ein Zeichen für den ressourcenschonenden Umgang mit der Natur setzen. Wir haben mit Sophie Lampl, Kampagnendirektorin bei Greenpeace in Österreich, darüber gesprochen, welche kleinen und große Schritte man setzen kann, um Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen.

Worauf legt ihr euer Augenmerk beim diesjährigen Tag der Umwelt? Ist das ein besonderer Tag so unmittelbar nach dem Corona Lockdown?

Dieses Jahr steht der Umwelttag im Zeichen eines grünen Wiederaufbaus nach der Coronakrise: Die jetzt benötigten Investitionen müssen in klimafreundliche Branchen wie etwa erneuerbare Energien und öffentliche Verkehrsmittel fließen. Das schafft nicht nur tausende zukunftsfähige Arbeitsplätze, sondern bringt Österreich langfristig auf Klimakurs.

Wie hat sich der Diskurs zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz durch die Corona-Krise verändert? Hat sich hier überhaupt etwas geändert?

Die Coronakrise hat sich stark auf die Wirtschaft und unsere Umwelt ausgewirkt. Fabriken sind stillgestanden, Flugzeuge am Boden geblieben, und auf den Straßen sind keine Autos gefahren. Dadurch hat sich kurzzeitig die Luftqualität verbessert, und es gab deutlich weniger Treibhausgase. Das wurde fälschlicherweise als Erfolg für den Klimaschutz bejubelt. Aber klar ist: Mit kurzen Verschnaufpausen schützen wir uns nicht vor der Klimakrise. Wir brauchen langfristige, strukturelle Veränderungen, um unsere Erde zu retten.

Sophie Lampl ist Direktorin für Kampagnen und Kommunikation bei Greenpeace Österreich. Sie ist damit für die Kampagnenentwicklung, Medienarbeit und Aktionen der Organisation verantwortlich. Zuvor war sie als Pressesprecherin im Verkehrsministerium sowie im Sportministerium tätig.
Sophie Lampl ist studierte Politikwissenschafterin und hat sowohl in internationalen Institutionen wie der UNO sowie in zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Sportverbänden gearbeitet. 

Der Alltag ist schnell und stressig, nicht jeder hat die Zeit und das Geld nachhaltig zu leben. Wie können wir es schaffen, umweltfreundliches Leben für jeden leistbar zu gestalten?

Wir müssen unser Steuersystem auf völlig neue Beine stellen, um die Bevölkerung zu entlasten und unser Klima zu schützen. Die Regierung muss die großen Klimaverschmutzer zur Kassa bitten, und klimaschädliche Subventionen abschaffen. Es ist etwa unverständlich, warum Fluglinien nach wie vor nicht ordentlich Steuern für ihren Tank zahlen. Dafür müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finanziell entlastet werden. Dann können sich alle ein klimafreundliches Leben leisten.  

​Warum ist das Klima-Volksbegehren so wichtig?

Wir müssen im Klimaschutz endlich Meter machen: Laut dem Weltklimarat sind binnen der kommenden zehn Jahre die klimaschädlichen Emissionen weltweit zu halbieren. Mit einer Unterschrift unter das Klimavolksbegehren setzt jede Österreicherin und jeder Österreicher ein Zeichen: Die Politik muss bei der Klimakrise genauso entschlossen handeln, wie sie es in der Coronakrise getan hat. Nur so können wir unser Leben und das das Leben der Generationen nach uns sichern.

Wo seht ihr das größte Potential nachhaltige Mobilität weiter zu stärken?

Das beste Angebot gewinnt: Wenn man mit den Öffis am bequemsten, schnellsten und günstigsten von A nach B kommt, werden sie auch bei allen die erste Wahl sein. Dafür muss die Politik aber massiv in Bus, Bim und Bahn investieren. Es braucht eine Milliarde Euro im Jahr, um den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.

Welche Maßnahmen sind nötig, um das Thema Nachhaltigkeit gesellschaftlich zu verankern und Bewusstsein zu schaffen?

Wir müssen bei den Jüngsten anfangen: Klima- und Umweltschutz muss ein zentrales Thema in den Lehrplänen der Schulen sein. Denn was nützen uns Integralrechnungen, wenn unsere Lebensgrundlage und unser Heimatplanet vor dem Ende steht? Aber selbst die Politik braucht Nachhilfe: Sie muss endlich entschlossen handeln. Und auch die Wirtschaft muss ihren Wertekompass neu auszurichten – Naturerhaltung statt Bodenausbeutung, produzieren für Bedürfnisse statt für Profite, soziale Gerechtigkeit statt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auszupressen.

Was können Unternehmen/UnternehmerInnen tun, um Arbeitsplätze nachhaltiger zu gestalten?

Es reicht nicht aus, dass Konzerne Glühbirnen gegen LED-Lampen tauschen oder Bienenstöcke aufs Dach stellen. Jedes Unternehmen muss sich die Frage stellen, ob seine Waren und Dienstleistungen zur Lösung der Klimakrise beitragen oder das Problem weiter anheizen. Für eine klimafreundliche Zukunft brauchen wir eine grundlegende Transformation, vor allem in Branchen wie etwa Verkehr oder Energie.

Was kann man in seinem Alltag ändern, um einen nachhaltigen Impact zu bewirken?

Jede und jeder kann auch im Alltag etwas zum Klimaschutz beitragen: Auf Ökostrom wechseln, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder regional und biologisch einkaufen. Wir dürfen aber die Verantwortung nicht auf die Einzelnen abwälzen: Die Politik muss für  Rahmenbedingungen sorgen, damit Klimaschutz für alle leistbar und einfach möglich ist. Das gilt es auch einzufordern: mit einer Unterschrift beim Klimavolksbegehren, auf Klimastreiks oder einem öffentlichen Bekenntnis für Klimaschutz.

Was bedeutet ökologische Courage für euch?

Sich mutig, leidenschaftlich und gewaltfrei für eine lebenswerte, klimafreundliche und sozial gerechte Zukunft einzusetzen. Wir stellen uns all jenen entgegen, die die unsere Erde ausbeuten, Tieren ihren Lebensraum rauben und Menschen unterdrücken.