Dietmar Vogt, 5 Fragen 5 Antworten

03. 06. 2020

Eigentlich ist der Kärntner Biologe und Ethnobotaniker Dietmar Vogt im Gebirge unterwegs, um alpine Pflanzen zu erforschen. Durch den Coronavirus-Lockdown sah er sich in seiner unmittelbaren Umgebung seines Wohnortes um und entdeckte zufällig am Bahndamm der Südbahn beim Wörthersee Unglaubliches.

Ausgestorbene Pflanzen wie der Rundblattstorchschnabel, der im Bahnschotter sprießt, der sehr seltene schöne Pipau, der in und um den Bahnhof Töschling wächst und sogar eine komplette Neuentdeckung für Kärnten, der Wimperfederschlingel. Der überraschend artenreiche Lebensraum und seine Eisenbahnpflanzen wird vom Naturkundler in Zukunft weiter genauer unter die Lupe genommen werden.

Ob ihn die Eisenbahn auch sonst interessiert beantwortet der Biologe diesmal in unseren 5 Fragen.

Was ist ihre Lieblingsstrecke?

Meine Lieblingstrecke ist eigentlich jede Strecke in die Berge, zum Beispiel die Tauernsstrecke.

Ich bin ja als Ethnobotaniker meist dort unterwegs um Anpassungsmechanismen der Pflanzen an ihren Lebensraum zu erforschen. Aber auch zum Langlaufen im Winter.

Was ist ihr Lieblingsbahnhof?

Der Bahnhof Mallnitz.

Was interessiert sie eigentlich an den Bahndämmen?

Ich glaube, dass der Bahndamm ein sehr unterschätzter Lebensraum ist mit sehr großem Naturpotential, obwohl es kurioserweise ein vom Menschen geschaffener Lebensraum ist. Weil er ein Refugium für sehr viele selten gewordene Arten ist.

Über was freut sich da der Botaniker?

Über die vielen Überraschungen. Man findet zum Beispiel Pflanzen, die eher konkurrenzschwach sind wie den Rundblattstorchschnabel, ausgerechnet hier im Bahnschotter. Man kann am Bahndamm außerdem gut studieren, mit welchen Tricks und Mitteln Pflanzen erfolgreich sein können. Das sind die unterschiedlichsten Strategien. Da gibt es sogar Pflanzen, die sich komplett neu orientieren. Die gewöhnliche Waldrebe lebt normalerweise im Wald und klettert als Liane hoch, hier kriecht sie horizontal.

Was war der schönste Fund?

Ein extrem seltenes Gras, der Wimperfederschwingel, ein Neufund für das Bundesland Kärnten. Die natürliche Verbreitung reicht von den spanischen Inseln bis Westindien und es ist eine Pflanze, von der man weiß, dass sie sich langsam von Süden nach Norden ausbreitet. Jetzt ist sie hier angelangt. Das haben zwei Experten der Universität Wien bestätigt.

Dietmar Vogt ist der Held der aktuellen Episode unserer „Gleisgeschichten“.

Er ist vor kurzem durch den Coronavirus bedingten Lockdown auf die Vielfalt der „Eisenbahnpflanzen“ aufmerksam geworden und entdeckt nun rare Arten wie den Schönen Pipau, den Purpurstorchenschnabel oder den Natternkopf entlang der Bahngeleise.