Alfred Dorfer vor dem Westbahnhof, Shooting für das Mitarbeitermagazin ÖBB bewegt 05/2020

Liebeserklärung von Alfred Dorfer gefällig?

18. 11. 2020

Denn über die ÖBB lässt Alfred Dorfer nichts kommen. Oder auch JÖ-BB!      Aber lest selbst  ...

Bahnfahren, das war damals jener grüne Wagon, der die Großeltern und mich zur Sommerfrische bringt auf den Semmering. Der spezielle Geruch der Gleise und die Möglichkeit, bei offenem (!) Fenster den Kopf in den Wind zu stecken. Kindheit. Bahnfahren, das war die Eroberung Europas, mit Rucksack und Zelt, unter dem Zauberwort Interrail. Schlafen am Gang oder unter den Sitzen, jeder Tag eine neue Sensation. Freiheit.

Bahnfahren heute, das ist die ökologisch einzig vertretbare Weise, Wege zurück zu legen. Die Fahrkarte verrät es uns: wieder 65,4 Kilo Kohlenstoffdioxid gespart. Versteht zwar niemand, aber es beruhigt. Das fahrende Heim heißt Railjet und ist Büro, Lesestube und Siestaplatz zugleich. Sicherheit. Wir wären aber nicht in Österreich, gäb’s nicht doch etwas zu kritisieren. All jenen empfehle ich Bahnfahren in Deutschland. Ganz schnell wüsste man dann, was wir an den ÖBB haben. Man hörte unlängst folgende Ansage kurz vor Frankfurt. „Meine Damen und Herren, wir erreichen Frankfurt Hauptbahnhof zwei Minuten vor der Zeit. Merken Sie sich diesen Tag!“

Da müssten wir uns ganz viel merken. Pünktlichkeit ist nahezu selbstverständlich geworden. Ebenso wie Freundlichkeit und Kompetenz des Personals. Und die Folge von Selbstverständlichkeit ist oft die Suche nach dem Haar in der Suppe. Die trifft im Fall der Bundesbahnen eher die Mitreisenden. Natürlich gibt es sie, jene selbstbewussten oder eher gedankenlosen Zeitgenossen, die uns an ihren (Telefon-) Gesprächen teilhaben lassen, ganz gegen unseren Willen. Aber das sind sehr lästige, kleine Details im Gegensatz zu einer wirklich erfreulichen Gesamtvorstellung der ÖBB.

Als Satiriker steht man stets in der Pflicht, Missstände anzusprechen. Oftmals auch, Läuse zu suchen. Das ist meist notwendig, manchmal aber zwanghaft. So wird die Welt zu einer übergroßen Mangelerscheinung. Daraus entsteht eine Berufskrankheit. Umso befreiender ist es, über etwas zu schreiben, womit man – ohne lügen zu müssen – mehr als zufrieden ist. Es tut mir leid, aber über die ÖBB lasse ich nichts kommen.

Fotoshooting für Mitarbeitermagazin 05/2020, Rubrik "Fahrgäste"

Zur Person: Alfred Dorfer

Nach der Matura im Jahr 1980 schrieb sich der gebürtige Wiener für das Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaften ein. Dieses unterbrach er nach zwei Jahren für sehr lange Zeit, schloss es aber 2007 doch ab und promovierte sogar. Unterdessen begann er eine Schauspielausbildung und erlangte mit der Gruppe Schlabarett sowie als Hauptdarsteller im Film Indien große Bekanntheit – auch über die Grenzen Österreichs hinaus. Bekannt ist Dorfer vor allem für seine grandiosen Kabarett-Programme, für die er im gesamten deutschsprachigen Raum zahlreiche Preise erhielt. Mehr zu Alfred Dorfer ...