Heimat finden – in Zügen der ÖBB

21. 01. 2021

Früher hat mich Zugfahren traurig gemacht. Schon das Ende der Stadt – das Ortsschild Wien – war der Beginn von Heimweh.

Nur Menschen, die so wie ich Heimweh kennen, wissen, was ich meine. Heimweh, das ist ein so elementares Gefühl wie Durst. Ich habe auch lange Zeit gebraucht, um herauszufinden, dass es dabei nicht um Plätze, Orte, Menschen, Gewohnheiten geht, sondern um eine Geborgenheit, eine „Heimat“, die man nur in sich selbst finden kann. Dabei haben mir viele Zugfahrten geholfen. Berufliche Herausforderungen, private Reisen – immer wieder stand ich vor der Situation, doch „besser mit dem Zug zu fahren“. Und sobald die Landschaft in gleichmäßigem Tempo an mir vorbeizieht, werde ich nachdenklich und auch sentimental. Es ist ja, anders als bei Flugreisen, das Tempo, bei dem die Seele „mitkommt“. Es ist so, als würde mein Leben an mir vorbeiziehen.

Barbara Stöckl am Bahnhof Hütteldorf.

Nächster Halt und schon geht es wieder weiter. Gerade schien noch die Sonne und schon regnet es. Früher hieß das Abenteuer 2. Klasse und wir waren froh, wenn es einen Sitzplatz gab, denn oft mussten wir am Gang stehend die Zugfahrt verbringen. Heute gönne ich mir gerne für weite Zugfahrten ÖBB 1. Klasse, mit Vorteilscard. Wie schön, dass es Schaffnerinnen und Schaffner gibt in dieser Welt der Automaten, auch wenn das Ticket längst digital am Handy geladen ist. Das Zeitungsservice vermisse ich heute, Zugfahren war für mich immer auch die gute Gelegenheit, ausführliche lange Artikel zu lesen. Ein Kaffee mit Croissant. Ich habe Glück, eine freundliche Mitarbeiterin bringt mir mein Frühstück mit einem Lächeln. Das ist nicht immer so. Die Herausforderung, bei wackelndem Untergrund als Kellnerin zu arbeiten, ist aber auch keine einfache. In den Westen Österreichs fahre ich gerne mit den ÖBB, denn die Autobahngrenzen sind auch im grenzenlosen Europa wieder zur Wartezone geworden und die Umwelt verlangt es ohnehin: ein Bekenntnis zur Schiene! Da darf das Auto auch einmal stehen bleiben. Das gleichmäßige Rütteln wiegt mich in den Schlaf, die vertraute Stimme meiner lieben Kollegin Chris Lohner weckt mich auf. Nächster Halt Innsbruck. Ich bin da.

Vita:
Barbara Stöckl, Unternehmerin und TV-Moderatorin. Bereits während ihres Studiums der technischen Mathematik arbeitete die Wienerin als Regieassistentin für die ORF-Jugendsendung „Okay“, die sie ab 1985 selbst moderierte. Seither ist Barbara Stöckl eine konstante Größe in unserer Medienlandschaft und war in Formaten wie „help tv“ und der „Millionenshow“ zu sehen. Sie ist zudem geschäftsführende Gesellschafterin ihrer Filmproduktion „KIWI TV“ (gemeinsam mit Peter Nagy) mit 15 MitarbeiterInnen. Nicht verpassen: Die „Licht ins Dunkel“-Botschafterin ist jeden Donnerstag in ihrer Talkshow „Stöckl.“ auf ORF 2 sowie in „STÖCKL Live“-Sendungen zu Gesundheitsthemen zu sehen.