Kraftwerk Spullersee - Start der Hauptarbeiten

29. 07. 2020

Die Hauptbauphase der größten Umbauarbeiten seit dem fast 100-jährigen Bestehen des Kraftwerks Spullersee liegen voll im Zeitplan. Dabei werden die Druckrohrleitungen komplett erneuert.

Anfang Juli fiel der Startschuss zu den Hauptarbeiten für die ÖBB-Ökostromzentrale in Vorarlberg unter Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen im hochalpinen Gelände auf über 1.800 Meter Seehöhe. Das Kraftwerk wurde von den ÖBB in den Jahren 1919 bis 1925 als Bahnstromkraftwerk errichtet. Derzeit steht das Kraftwerk inmitten eines seiner größten Umbauvorhaben in seiner rund 100-jährigen Geschichte. Ziel der Arbeiten ist, auch künftig eine effiziente Erzeugung von umweltfreundlichem Bahnstrom für eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität sicherzustellen. Die Kosten für die Modernisierung des Kraftwerks Spullersee betragen rund 31 Millionen Euro. Die Modernisierung stellt einen wirklichen Mehrwert in Bezug auf Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Energie dar.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Nach erfolgter Vergabe der Baulose im Jahr 2019, wurden wichtige Vorarbeiten für den jetzigen Start der Hauptarbeiten umgesetzt. Während der Wintermonate wurde der rund 480 Meter lange Zugangstunnel, als Teil des neuen Ausrüstungskonzeptes ausgebrochen. Zudem wurden in dieser Zeit die alten Absperrklappen beim Speichersee durch zwei neue Klappen ersetzt. Parallel dazu wurde seit März 2020 an der Steilrohrstrecke im Klostertal ein 8 Tonnen Kabelkran errichtet sowie die alte Werksseilbahn abgetragen und die alten Druckrohrleitungen zum Großteil rückgebaut. Im Zuge der heute gestarteten Hauptarbeiten werden das Stollenrohr am Speicher Spullersee und der Einbau der neuen, erdverlegten Stahldruckleitung am Dürren Berg umgesetzt. Der Ausbruch von COVID-19 hat auch die Arbeiten am Kraftwerk Spullersee vor neue Herausforderungen gestellt. Nach Bekanntwerden der Corona-Auswirkungen und Verkündung der Handlungsanweisung der Bau-Sozialpartner wurde der Baustellenbetrieb an die neuen Umstände angepasst. Dank der hohen Disziplin und Einsatzbereitschaft aller Beteiligen konnten bzw. können die Arbeiten im vorgesehenen Zeitrahmen durchgeführt werden.

Als größtes Klimaschutzunternehmen Österreichs verstehen sich die ÖBB als Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Insgesamt betreiben wir in Österreich 10 Wasserkraftwerke sowie 7 Frequenzumformer. Zudem betreiben die ÖBB seit 2015 das weltweit erste 16,7-Hz-Bahnstrom-Solarkraftwerk im östlichen Niederösterreich und werden 2020 weitere Photovoltaikanlagen für die Stromversorgung der Bahn in Betrieb nehmen. Auch hier am Beispiel Kraftwerk Spullersee stellen wir unter Beweis, dass Klimaschutz unsere Kompetenz ist. Durch die Versorgung mit 100% grünem Bahnstrom aus erneuerbarer Energie sind wir, die ÖBB-Infrastruktur, eine der umweltfreundlichsten Eisenbahn-Infrastrukturbetreiber in Europa.

Rückschau auf die bisherigen Arbeiten

Anfang Jänner haben die ÖBB-Verantwortlichen den Speicher Spullersee kontrolliert bis auf den Restsee entleert. Im Rahmen dieser Seeentleerung wurde auch eine neue, seeseitige Apparatekammer ausgebrochen. Zudem wurden in den vergangenen Monaten wichtige maschinenbauliche Anlagen wie zwei neue notschlusstaugliche Absperrklappen eingebaut. Mit dem Start einer Zwischenbetriebsphase von Mai bis Juni 2020 wurde das Schmelzwasser im Einzugsgebiet des Speichers abgearbeitet. In dieser Zeit wurde das Kraftwerk vorübergehend mit der alten Druckrohrleitung betrieben. Zudem wurde zum Schutz der Arlbergbahnstrecke vor den Bauarbeiten bereits im Vorfeld im vergangenen Oktober eine Schutzeinhausung errichtet. Im Schutz dieser Einhausung wurden der neue Kabelkran errichtet, die alte Betriebsseilbahn abgetragen und der Abbau der alten Druckrohrleitungen vorgenommen.

Nächste Schritte im Bereich des Speichers

Mitte Juni wurden die Einlaufklappen geschlossen und mit den Arbeiten begonnen, das alte Stollenrohr aus dem Jahr 1924 auf der gesamten Länge von 1.826 Meter zu tauschen. Das Zeitfenster für die Umsetzung dieser Arbeiten ist bis zum Februar 2021. Das Stollenrohr und die Steilrohrleitung bilden den sogenannten Kraftabstieg, der einen wesentlichen Anlagenteil des Kraftwerks Spullersee darstellt.

Alte Druckrohrleitungen werden durch neues, erdverlegtes Stahldruckrohr ersetzt

Im Zuge der heute gestarteten Hauptarbeiten wird ein neues, 1.460 Meter langes, erdverlegtes Stahldruckrohr errichtet. Dieses Stahlrohr weist einen Durchmesser von 1.100 mm und Wanddicken bis zu 25 mm auf. Diese Arbeiten sind für die Spezialisten höchst herausfordernd, da die Arbeiten im bis zu 40° steilen, unzugänglichen Gelände durchgeführt werden müssen. Die Arbeiten an der Druckrohrleitung sollen bis Februar 2021 abgeschlossen sein. Im Anschluss daran geht das Kraftwerk Spullersee mit 36 Megawatt (MW) Ausbauleistung in den Probebetrieb.

Umfangreiche Kontroll- und Wartungsarbeiten im Kraftwerk Spullersee

Parallel zur baubedingten Abstellung des Kraftwerks werden umfangreiche Kontroll- und Wartungstätigkeiten im Kraftwerk Spullersee durchgeführt. Darunter fällt unter anderem auch die Inspektion der Generatoren, eine Erneuerung der Leittechnik und auch eine Erneuerung der mechanischen Turbinenregler. Nach Abschluss der Restarbeiten soll das Projekt im Jahr 2022 abgeschlossen sein.

100 Prozent österreichische erneuerbare Energie

Durch seine bauliche Auslegung ist das Kraftwerk in der Lage, gemeinsam mit dem Kraftwerk Braz, die Bahnstromversorgung in ganz Vorarlberg bei Bedarf sicherzustellen. Es kann Lastspitzen aus dem Bahnstromnetz ausregeln und es dient der Stabilität des ÖBB-Stromnetzes. Das Kraftwerk Spullersee produziert also nicht nur 100 % österreichische erneuerbare Energie, sondern fungiert auch als Motor für die regionale Wirtschaft. In der Region West (Tirol und Vorarlberg) betreiben die ÖBB neben Braz und Spullersee noch das Kraftwerk Fulpmes an der Ruetz im Stubaital. Diese drei Kraftwerke produzieren jährlich rund 220.000 Megawattstunden (MWh) Strom. Der Verbrauch der ÖBB in den beiden westlichsten Bundesländern liegt dem gegenüber bei rund 275.000 MWh, was dem Jahresverbrauch von ca. 55.000 Haushalten entspricht. Rund 80 Prozent der benötigten Energie für Westösterreich erzeugen die ÖBB in der Region selbst, der Rest wird von Partnerkraftwerken und von der ÖBB Kraftwerksgruppe Stubachtal bezogen.