Unsere CFO ist auch eine Chief of Fahrrad

11. 05. 2026

Dienstauto? Fehlanzeige. Manuela Waldner radelt lieber ins Büro. Ein Interview über Radeln als Ausgleich, Tempo und Radrouten.

Flott durch den Stadtverkehr kommen und etwas für die Gesundheit tun – deshalb gibt CFO Manuela Waldner dem Auto die rote Karte und tritt kräftig in die Pedale, um mit dem Rad ins Büro zu fahren. „Es sind vielleicht fünf Tage im Jahr, an denen ich nicht radle“, so unsere Finanzchefin. Am Rad setzt sie auf Muskelkraft statt E-Motor und auf Tempo statt gemütliches Dahinradeln. „Ich bin lange öffentlich gefahren, doch da schaue ich sofort E-Mails durch“, erinnert sie sich. Deshalb ist das Fahrrad für die gebürtige Kärntnerin im Wiener Stadtverkehr klar die bessere Wahl: „Es ist die einzige Zeit, wo ich Bewegung bekomme – in der Früh werde ich wach und am Abend kann ich den Kopf auslüften.“ Hier das ganze Gespräch:

Warum ist das Rad die bessere Wahl, um ins Büro zu kommen?
Erstens ist es der schnellste Weg, und zweitens ist es für mich ein sehr guter Ausgleich. Das Auto kommt für mich nicht in Frage: Wenn ich im Stau stehe, bekomme ich einen “Zuckaus”. In der Früh werde ich durch das Radfahren wach, und am Abend kann ich den Kopf gut auslüften. Ich bewege mich gerne – der Weg ins Büro und nach Hause ist eigentlich die einzige Zeit, in der ich zu Bewegung komme. Außer, ich würde zu Fuß die 22 Stockwerke in der Unternehmenszentrale hinaufgehen. Wobei: Seit ich radle, gehe ich die Stiegen kaum noch.

Schlechtes Wetter ist kein Hindernis, um mit dem Rad unterwegs zu sein – welche Hacks helfen dabei?
Solange es nur nieselt, fahre ich auch bei Regen. Da greife ich zur Regenhose und -jacke,– inklusive Haube über dem Helm. Nur wenn es schüttet und bei Glatteis lasse ich das Rad stehen und fahre mit der Straßenbahn. Bei Glatteis hatte ich einmal einen Sturz, seitdem lasse ich das Rad bei dieser Witterung lieber stehen.

Sie sperren Ihr Rad meistens vor der Unternehmenszentrale ab – warum nicht im Radkeller?
Ich versuche generell, alle Wege effizient zu gestalten und jede Minute zu sparen. Das Rad vor der Unternehmenszentrale abzustellen, ist für mich einfach der kürzeste Weg. Sollte ich das Rad einmal über Nacht abstellen müssen, würde ich es auf jeden Fall in den Radkeller bringen. Hie und da bin ich auch mit einem größeren Familienrad unterwegs – das kommt dann in den Radkeller.

Radeln Sie auch in Ihrer Freizeit?
Aktuell nur auf jenen Routen, auf denen die Kinder gut mitradeln können. Was gut funktioniert, ist mit der S‑Bahn hinaus zur Donau zu fahren und dort mit den Kindern Rad zu fahren.

Gibt es eine Lieblings‑Radroute?
Ich habe einmal mit dem Mountainbike die Joe-Route gemacht – quer durch die Alpen von Oberstdorf bis zum Gardasee. Das war die schönste Radtour überhaupt.

Was schätzen Sie an der Mobilität mit dem Rad?
Eigene Bewegung tut gut. Außerdem ist man meiner Meinung nach in Wien mit dem Rad am schnellsten unterwegs und die Wege sind sehr gut planbar, weil man unabhängig ist. Die Wiener Linien machen einen super Job, aber manchmal fällt trotzdem etwas aus – und diese zehn Minuten habe ich in der Früh nicht eingeplant. Mit dem Rad ist alles sehr kalkulierbar. Bis jetzt hatte ich auch nur zweimal einen Patschen. Zum Glück immer nur am Heimweg.

Oh, gutes Stichwort: Wenn Sie einen Patschen haben – klappt das Wechseln in Eigenregie oder geht es in die Werkstatt?
Zuhause kann ich den Reifen selbst wechseln. Passiert es unterwegs, ist es schwieriger. Mein letzter Patschen war unten am Bahnhofsvorplatz, da ging es direkt in die Werkstatt meines Vertrauens direkt am Hauptbahnhof.

Kommt das Rad auch mal mit in den Zug?
Nur, wenn es erlaubt ist. Was ich selbst noch nicht ausprobiert habe, aber für manche Distanzen gut funktionieren würde, ist die Kombination aus Öffis und Klapprad. Für die letzte Meile ist das Klapprad eine sehr gute Wahl – mit großen Fahrrädern wird es sonst oft eng. In meiner Heimat Kärnten gibt es mit dem Alpe Adria Trail Richtung Italien eine sehr schöne Strecke,  auf der man zum Teil auf einer aufgelassenen Bahntrasse fährt und mit der Bahn bequem retour kommt.

Welche Rolle spielt eine fahrradfreundliche Infrastruktur?
Eine sehr große, denn wir alle wollen sicher am Ziel ankommen. Ich sehe die Kombination von Rad und Bahn als „ideale Partnerschaft“. Der VCÖ‑Bahntest hat im Vorjahr ergeben, dass drei Viertel unserer Fahrgäste ohne Auto zum Bahnhof kommen – also zu Fuß oder mit dem Rad. Ich gehe davon aus: Je besser die Bedingungen für Radfahrende sind, etwa durch sichere Wege zum Bahnhof und gute Abstellanlagen, desto häufiger wird das Fahrrad genutzt. Als ÖBB betreiben wir aktuell rund 55.000 Zweirad‑Stellplätze an Bahnhöfen. Vor allem die Stadt Wien hat in den vergangenen Jahren viel für ein fahrradfreundliches Wien getan – und man sieht, dass das gut ankommt. Besonders gelungen finde ich die Fahrradstraßen, etwa die Argentinierstraße, und diese wird auch sehr gut genutzt. Das ist klug durchdacht in der Stadtplanung, weil hier Achsen quer durch die Stadt entstehen, die Lücken schließen. Gleichzeitig merkt man auch, dass manch schmälere Radwege an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Umso begrüßenswerter ist es, dass der Minister die StVO geändert hat, um E‑Scooter vom Radweg zu holen. Das ist aus meiner Sicht sehr wichtig.

Die CFO im Word-Rap

  • Citybike oder Lastenrad? Trekkingbikebike UND Lastenrad
  • E‑Bike oder pure Muskelkraft? Muskelkraft
  • Pendeln durch die Straßen oder Abenteuer im Wald? Beides – aber wenn ich wählen darf: Abenteuer im Wald
  • Tempo oder Gelassenheit? Tempo!
  • Radfahren ist für mich: Ausgleich

Motiviert? Mitradeln!