Wer auf der Strecke unterwegs ist, muss sich perfekt auskennen.

22. 01. 2020

Martin Himmel ist gelernter Triebfahrzeugführer, Verkehrsleiter in der Verkehrsleitung Floridsdorf und sachverständiger Prüfer.

Gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen, ist er auch in die Ausbildung der nächsten Generation von Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer eingebunden. Er weiß, dass die Anforderungen an seine zukünftigen Kolleginnen und Kollegen sehr hoch sind. Immerhin tragen Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer eine große Verantwortung, wenn sie mit bis zu 10.000 PS starken und bis zu 230 km/h schnellen Lokomotiven und Triebwagen unterwegs sind. Im Gespräch mit Martin Himmel stellt er klar, dass so manche öffentlich geäußerte Kritik an der Lokführerausbildung jeder Grundlage entbehrt.

Wie ist die Triebfahrzeugführerausbildung derzeit organsiert?

Die ÖBB haben jahrzehntelange Erfahrung in der Ausbildung . Die Anforderungen daran verändern sich ständig und werden laufend an die neuesten technischen und betrieblichen Verhältnisse angepasst, damit die Ausbildung immer am aktuellen Stand ist.

Die Triebfahrzeugführerausbildung dauert 41 Wochen. Insgesamt befinden sich im Schnitt 450 zukünftige Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer in Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz und im Bildungszentrum Eisenbahn in Wörth in Ausbildung.

Wie viele Bewerber für den Job „TriebfahrzeugführerIn“ gibt es bei den ÖBB pro Jahr?

Die Anmeldezahlen schwanken natürlich, aber wir können ein steigendes Interesse am Triebfahrzeugführerberuf feststellen. Dieses Jahr kommen wir auf rund 1.500 Bewerbungen für 500 Ausbildungsplätze. Das bringt uns derzeit in die komfortable Lage, dass wir aus den besten Bewerbungen auswählen können.

Welche Hürden gilt es für die Kandidatinnen und Kandidaten zu überwinden?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Triebfahrzeugführerausbildung sehr anspruchsvoll ist. Die ersten 50 Prozent scheitern bereits im Auswahlverfahren. Wer das Bewerbungsgespräch, die psychologische und ärztliche Eignungsuntersuchung besteht, für den beginnt ein sehr intensives Ausbildungsjahr.

Wie schaut der Lehrplan in weiterer Folge aus?

In den 41 Ausbildungswochen wechseln sich Theorie und Praxiseinheiten ab. Vermittelt werden die Technik und die Bedienung der Lokomotiven und Triebwagen, die Sicherheitseinrichtungen und Vorschriften. Die Fahrpraxis wird in modernen ÖBB-Fahrsimulatoren und im echten Eisenbahnleben geübt. Während der Ausbildung finden regelmäßige Wissensüberprüfungen statt, da die Lerninhalte aufeinander aufbauen.

Wie schwierig ist die Ausbildung?

Unsere Kolleginnen und Kollegen üben einen wichtigen, technisch anspruchsvollen Beruf mit großer Verantwortung und viel Eigenständigkeit aus. Denn wer auf der Strecke unterwegs ist, muss sich perfekt auskennen. Daher ist es uns wichtig die Lehrinhalte nicht nur gründlich zu vermitteln, sondern auch streng abzuprüfen.

Wie kann man sich den Umfang des Stoffes vorstellen, den man intus haben muss?

Das ist nicht zu unterschätzen. Wir sprechen da von rund 1.000 Seiten, die man wirklich gut können und vor allem verstehen muss. Und da sind Fahrzeugbeschreibungen noch gar nicht dabei. Allein für die erste Prüfung nach ca. 2 Wochen müssen die Kandidatinnen und Kandidaten einen A4-Ordner Stoff beherrschen.

Wann dürfen die zukünftigen Triebfahrzeugführerinnen und Triebwagenführer das erste Mal eine Lok fahren?

Mit einem Trainer dürfen die Auszubildenden in der 11. Woche erstmals mit einer Lok fahren. In Summe kommen sie während der Ausbildung auf 18 Praxiswochen.

Wie kann man sich die Abschlussprüfung vorstellen?

In der 41. Ausbildungswoche wartet eine kommissionelle Prüfung auf die Auszubildenden. Diese Prüfung hat den kompletten Stoff aus technischen und betrieblichen Fachkenntnisse zum Inhalt sowie eine praktische Fahrprüfung. Anschließend folgen 11 weitere Wochen als Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer in einem „vereinfachten“ Dienstplan, wo unter Aufsicht eigenständig Züge geführt werden. Diese 11 und danach nochmals 16 Wochen werden durch begleitete Schichten „überwacht“ bzw. wird der Entwicklungsstand laufend überprüft. Diese Begleitung erfolgt durch Instruktoren oder Fahrtrainer.

Welche Karrierechancen hat man in weiterer Folge?

Eine Triebfahrzeugführerin bzw. einen Triebfahrzeugführer erwartet ein langfristig sicherer Job mit interessanten Karrierechancen.
Schon bei der Aufnahme zur Ausbildung bieten die ÖBB ein Gehalt von 2.000 Euro brutto.
Nach der Übernahme in den normalen Betrieb steigt das Gehalt auf 2.500 bis 2.800 Euro brutto je nach Zulagen.
Nach ein paar Jahren Praxis können sich Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer weiter qualifizieren - z.B. als Fahrtrainerin bzw. Fahrtrainer oder Instruktorin bzw. Instruktor – um die gesammelte Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.