Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man einen autonomen Bus.

Autonomes Fahren 2026: Robotaxis & ÖV-Shuttles

07. 08. 2026

Während weltweit das Rennen um das Robotaxi läuft, testen die ÖBB vollautomatisierte Busse für den öffentlichen Verkehr in Österreich. 

Das autonome Fahren spielt mittlerweile eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft. Selbstfahrende Autos und autonome Busse bieten die Möglichkeit, ohne aktives Handeln von A nach B zu gelangen. Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist 2026 in Städten wie San Francisco oder dem chinesischen Wuhan bereits Realität. Dort sind fahrerlose Robotaxis täglich im Einsatz und befördern Tausende Fahrgäste. Angetrieben von Milliardeninvestitionen liefern sich US-Konzerne wie Tesla, die Alphabet-Tochter Waymo und Amazons Zoox ein Rennen um die technologische Vorherrschaft beim autonomen Fahren mit chinesischen Unternehmen wie Baidu oder WeRide.

Während aber in den USA und China 2026 der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Robotaxis liegt, verfolgt Europa – und mit ihm Österreich – einen eigenen Weg. Hier stehen autonome Fahrzeuge als Ergänzung und Stärkung des öffentlichen Verkehrs im Fokus: Etwa als Shuttles zu Bahnhöfen, als On-Demand-Verkehr am Land oder als zusätzliches Angebot in Städten. Auch in Österreich bringen die ÖBB einen vollautomatisierten Bus auf die Straße. 

Autonomes Fahren: ÖBB testen selbstfahrenden Bus

Für die ÖBB, Österreichs größten Mobilitätsdienstleister, ist autonomes Fahren ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs. Daher testet ÖBB Postbus ab Mitte August 2026 den vollelektrischen Autonomous e-CENTRO C von Hersteller Otokar für den Fahrgasteinsatz in Tirol und Vorarlberg. Der Technologiepartner bringt beim autonomen Fahren bereits praktische Erfahrung aus Spanien mit: In Madrid ist der autonome Bus schon seit Längerem im öffentlichen Verkehr unterwegs. Nach ersten Tests im Rahmen des European Forum Alpbach soll das vollautomatisierte Fahrzeug am Campus Wolfurt den Industriepark an die Vorarlberger S-Bahn anbinden. Damit erproben die ÖBB genau jene Anwendungsfälle, die für Europa und Österreich für den öffentlichen Verkehr besonders relevant sind: Bahnhofsanbindungen, First- und Last-Mile-Angebote sowie On-Demand-Verkehre.   

Technische Daten & Ausstattung: Otokar Autonomous e-CENTRO C 

  • SAE-Level: 4 (vollautomatisiertes Fahren) 
  • Reichweite: Bis zu 250 km 
  • Höchstgeschwindigkeit: manuell 80 km/h, bis zu 30 km/h im autonomen Modus 
  • NMC-Batterie mit 110 kWh Kapazität/140kW Leistung 
  • Sensorfusionssystem: verarbeitet Daten aus LiDAR, Radar und Kameras 
  • Platz für 32 Fahrgäste (10 Sitzplätze, 3 oder 6 Klappsitze und bis zu 16 Stehplätze) 
  • Stufenfreier Niederflureinstieg 
  • Elektrische Rollstuhlrampe / Rollstuhlplatz 
  • Absenkfunktion für leichteres Ein- und Aussteigen 
  • Klimaanlage mit Heiz- und Kühlfunktion 
  • USB-Ladeanschlüsse 
Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man einen autonomen Bus.
Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man einen autonomen Bus.
Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man einen autonomen Bus.

Was bedeutet autonomes Fahren?

Wie selbstständig ein Fahrzeug tatsächlich unterwegs ist, hängt vom Automatisierungsgrad ab. International werden für autonomes Fahren die sogenannten SAE-Level von 0 (keine Fahrautomatisierung) bis 5 (vollständig autonomes Fahren) verwendet. Sie zeigen, ob der Mensch das Fahrzeug weiterhin überwachen muss oder ob ein automatisiertes System die Fahraufgaben selbsttätig übernimmt.

SAE-Level 5 gilt als höchste Stufe des autonomen Fahrens. Ein Fahrzeug könnte dann unter allen Bedingungen selbstständig fahren – ohne vorgesehenen menschlichen Eingriff und ohne Einschränkung auf bestimmte Strecken, Gebiete oder Einsatzbereiche. 2026 sind jedoch noch keine Fahrzeuge auf Level 5 im regulären Einsatz.

Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man die Kamera eines autonomen Busses.
Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man den Fahrersitz des autonomen Busses.

Autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr

Für den öffentlichen Verkehr ist vor allem vollautomatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 relevant. Das bedeutet: Die Fahrzeuge fahren selbstständig innerhalb eines klar definierten Betriebsbereichs – etwa auf einer bestimmten Strecke, in einem abgegrenzten Gebiet oder als Zubringer im regionalen Verkehr. Erkennt das autonome Fahrzeug eine Störung oder eine Situation außerhalb seiner Betriebsgrenzen, wechselt es automatisch in einen sicheren Zustand.  
 
In Österreich sieht die Straßenverkehrsordnung (StVO) jedoch den Menschen als letztverantwortliche Instanz in einem Fahrzeug vor. Das bedeutet: Auch bei Testfahrten auf Level 4 – wie jenen von ÖBB Postbus in Tirol und Vorarlberg – muss ein geschulter Safety-Driver an Bord sein, der bei Bedarf eingreifen kann. Damit das autonome Fahren in Österreich vom überwachten Testbetrieb in einen vollautomatisierten Regelbetrieb übergehen kann, braucht es noch gesetzliche Anpassungen. 

Autonomes Fahren ist mit dem Otokar Bus möglich. Auf dem Bild sieht man einen autonomen Bus.

Erster selbstfahrender ÖBB Postbus

Vom Testbetrieb zum vollautomatisierten Regelbetrieb

Der gemeinsame Test mit Otokar ab Mitte August 2026 soll den ÖBB wichtige Erkenntnisse liefern und eine fundierte Grundlage schaffen, um autonomes Fahren in Österreich künftig sicher und verantwortungsvoll in den Regelbetrieb zu integrieren. Langfristig soll die neue Technologie den öffentlichen Verkehr noch flexibler, attraktiver und leistungsfähiger machen. Die Einsatzmöglichkeiten für autonome Fahrzeuge reichen von klar definierten Strecken im regionalen Mobilitätsangebot bis hin zu Lösungen für die erste und letzte Meile.

ÖBB Postbus hat sich für das autonome Fahren ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Man will innerhalb der nächsten fünf Jahre einen vollautomatisierten Verkehr auf Österreichs Straßen bringen.

Fazit

In einigen großen Städten wie etwa in San Francisco werden bereits fahrerlose Robotaxis eingesetzt. Europaweit liegt der Fokus beim autonomen Fahren hingegen auf dem öffentlichen Verkehr. In Österreich testet ÖBB Postbus ab Mitte August 2026 gemeinsam mit Technologiepartner Otokar einen vollautomatisierten Bus für den Fahrgasteinsatz in Tirol und Vorarlberg. Der gemeinsame Test soll den ÖBB wichtige Erkenntnisse liefern und eine fundierte Grundlage für autonomes Fahren im Regelbetrieb schaffen. Dafür sind jedoch noch gesetzliche Anpassungen notwendig. Langfristig soll die neue Technologie dazu beitragen, den öffentlichen Verkehr in Österreich noch flexibler und leistungsfähiger zu gestalten. 

 

Autonomes Fahren: Häufige Fragen

Wie funktioniert ein autonomer Bus?

Ein autonomer Bus erkennt seine Umgebung mithilfe von Sensoren, Kameras und künstlicher Intelligenz. So kann er Verkehrsteilnehmende, Hindernisse, Haltestellen und die Streckenführung erfassen und innerhalb eines klar definierten Betriebsbereichs selbstständig lenken, bremsen, beschleunigen und sicher anhalten. Auch das präzise Anfahren von Haltestellen gehört dazu, damit Fahrgäste bequem ein- und aussteigen können.

Ist es sicher mit einem autonomen Bus zu fahren?

Ja, autonome Busse sind auf einen sicheren Betrieb in klar definierten Einsatzbereichen ausgelegt. Das Fahrzeug wird laufend durch seine Sensoren, Software und Systeme überwacht. Wird ein Fehler erkannt, leitet der Bus automatisch einen kontrollierten sicheren Stopp ein. Zusätzlich ist bei den geplanten Einsatzgebieten von ÖBB Postbus ein geschulter Safety-Driver an Bord, der bei Bedarf eingreifen kann. Die zugrunde liegenden Sicherheitskonzepte und Betriebsabläufe wurden durch den TÜV Rheinland geprüft

Wo fahren bereits autonome Busse in Europa?

Autonome Busse werden in Europa bereits in mehreren Pilotprojekten getestet oder sind teilweise schon im Fahrgastbetrieb unterwegs. In Österreich testet ÖBB Postbus 2026 den vollelektrischen Autonomous e-CENTRO C in Tirol und Vorarlberg. Im Realbetrieb mit einer vollumfänglich fahrerlosen Level-4-Zulassung sind zurzeit autonome Busse in Norwegen und Spanien unterwegs.

Testen die ÖBB auch autonome Züge?

Autonome Züge im Schienennetz der ÖBB zu betreiben ist aufgrund der technischen und betrieblichen Anforderungen deutlich komplexer als in geschlossenen Systemen, wie etwa bei fahrerlosen U-Bahnen. Die Erkenntnisse aus dem Testbetrieb mit autonomen Bussen helfen den ÖBB jedoch dabei, die Technologie besser zu verstehen und den Automatisierungsgrad im Bahnbetrieb weiterzuentwickeln – etwa bei Sensorik, Systemüberwachung, Sicherheitsprozessen und dem Zusammenspiel von Mensch und Technik. Gleichzeitig lässt sich ein autonomer Busbetrieb nicht 1:1 auf autonome Züge übertragen.

Wie funktioniert ein Robotaxi?

Mithilfe von Kameras, Radar, Sensoren und oft auch LiDAR-Laserscannern erfasst ein Robotaxi laufend seine Umgebung. Künstliche Intelligenz wertet die Daten in Echtzeit aus und erkennt andere Fahrzeuge, Fußgänger:innen, Ampeln, Verkehrszeichen und Hindernisse. Dadurch kann das Fahrzeug selbstständig navigieren und fahren. Die bereits verfügbaren fahrerlosen Robotaxis in den USA oder China bewegen sich zumeist auf SAE-Level 4: Sie fahren in klar definierten Einsatzgebieten, in denen sie zuvor umfangreich getestet wurden.

Fahren Robotaxis in Europa?

Nein, 2026 gibt es in Europa keine Robotaxis im breiten Regelbetrieb. Der Fokus liegt bislang stärker auf autonomen Shuttles und On-Demand-Lösungen für den öffentlichen Verkehr. Allerdings bereiten Anbieter wie Waymo oder Baidu bereits den Markteintritt in London vor. Die britische Hauptstadt entwickelt sich damit zu einem der wichtigsten europäischen Testmärkte für autonomes Fahren. Weiters treibt Tesla die Zulassung seines Full-Self-Driving-Systems (FSD) in Europa voran. Die Niederlande erlaubten dem Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk als erstes europäisches Land die Funktion für teilautomatisiertes Fahren (SAE-Level 2) freizuschalten. Dabei bleibt der Mensch jedoch weiter verantwortlich und muss jederzeit eingreifen können.