Wes Anderson unterwegs mit dem Nightjet
07. 02. 2026
Warum Nachtzüge für den Regisseur besondere Orte der Kontemplation sind:
07. 02. 2026
Warum Nachtzüge für den Regisseur besondere Orte der Kontemplation sind:
Wes Anderson zählt zu den einflussreichsten Regisseur:innen unserer Zeit und ist bekannt für seine markante Bildsprache und nostalgischen Ton. Filme wie The Grand Budapest Hotel, Moonrise Kingdom und The Royal Tenenbaums haben ihn weltberühmt gemacht, ebenso sein langjähriges Zusammenarbeiten mit Schauspielgrößen wie Edward Norton, Scarlett Johansson, Adrien Brody oder Christoph Waltz. Der Zug spielt in Andersons Werk immer wieder eine zentrale Rolle – besonders in The Darjeeling Limited (2007), in dem drei Brüder auf einer Zugreise durch Indien zueinander finden und der Zug selbst zum festen Bestandteil der Erzählung wird. Auch privat reist Wes Anderson gerne und oft auf Schienen und schätzt unsere Nachtzüge als besonderen Ort der Ruhe und Inspiration.
Im vergangenen Jahr war er unter anderem gemeinsam mit Bill Murray mit dem Nightjet von Berlin nach Zürich unterwegs. In diesem Jahr reiste er schon mit dem Nightjet der neuen Generation von München nach Rom. Vor der Abfahrt hat er exklusiv mit uns über seine Liebe zu Zügen, Design und das besondere Gefühl des Unterwegsseins gesprochen.
Wenn man eine Szene oder einen Teil eines Films in einem Zug ansiedelt, ist das, als würde man sich in einem Haus befinden, das durch die Landschaft fährt. Der Ort bewegt sich mit der Geschichte mit. Ich finde, das verleiht dem Ganzen eine besondere Art von Geheimnis – vor allem, wenn man auf einer Reise weg ist, und nicht nach Hause. Mit dem Einsteigen beginnt ein Abenteuer.
In Ihrem Film „Darjeeling Limited“ wirkt es fast, als sei der Zug eine eigene Figur…
Der Zug, den wir für The Darjeeling Limited gebaut haben, bestand aus Waggons aus ganz Indien, die wir auf verschiedene Weise verändert haben, damit sie fürs Drehen geeignet waren. Wir hatten hunderte Kunsthandwerker, Maler und Handwerker, die daran gearbeitet haben. Alles an diesem Zug wurde von Hand gemacht. Ich habe mit Mark Friedberg, unserem Production Designer, und Adam Stockhausen, unserem Art Director, zusammengearbeitet, aber auch mit vielen lokalen Malern, insbesondere mit Leuten, die normalerweise Lastwagen bemalen. Vielleicht haben Sie schon gesehen, wie aufwendig dekoriert Lkw in Indien sein können und genauso haben wir die Lokomotive unseres Zugs bemalt.
Zurück ins hier und jetzt: Warum haben Sie sich entschieden, heute mit dem Zug zu fahren?
Die Antwort ist ganz einfach: weil er genau von dem Ort abfährt, wo ich bin, zu dem Ort, an den ich will. Immer wenn das zutrifft, ziehe ich den Nightjet jeder anderen Option vor.
Wenn Sie einen neuen Nightjet gestalten könnten – wie sähe Ihrer aus?
Ich finde, was ihr mit der neuen Generation gemacht habt, ist perfekt. Es hat etwas sehr Einfaches, sehr Praktisches. Oft ist es bei Schlafwagen so, dass das Bett schon gemacht ist, wenn man einsteigt – aber eigentlich wünscht man sich ein Abteil, das zu jeder Zeit funktioniert, sowohl tagsüber als auch nachts. Das ist für mich das Beste – und ich denke, genau das ist das Konzept dieser neuen Abteile. Die Betten werden nicht weggeklappt, Tag und Nacht existieren gleichzeitig. Man merkt, wie viele Details durchdacht und weiterentwickelt wurden. Diese Abteile sind wirklich raffiniert. Das Entscheidende in einem Zugabteil ist natürlich der Platz. Es gibt ein klares Limit, und alles muss unglaublich effizient gestaltet sein. So wird das Zugabteil zur Metapher für den ökonomischen Umgang mit Raum – und in dieser Hinsicht sehen die neuen Abteile wirklich sehr gut aus. Zum Beispiel die Art, wie die Leitern integriert wurden. Leitern sind im Schlafwagen immer ein heikles Thema. Und die Beleuchtung ist natürlich entscheidend: Wie ist sie eingestellt und wie sehr kann man als Fahrgast selbst steuern? Diese Details scheinen hier wirklich sehr gelungen! Ich würde übrigens gerne wissen, wer sie designt hat.
Vielen Dank für das Gespräch und eine schöne Fahrt nach Rom!