Weihnachten

24. 12. 2019

Da das Weihnachtsfest wieder naht, kommen immer wieder sehr schöne, aber auch wehmütige Erinnerungen zurück.

Ein Gastbeitrag von Sonja Kostenz

Der Hl. Abend war für mich in der Kindheit ein ganz besonderer Tag - nicht zuletzt, weil das Christkind fleißig im abgeschlossenen Zimmer werkelte und ich vergeblich durch das Schlüsselloch spähte und den Tannenduft eindringlich roch, mein Ohr fest an die Zimmertür drückte und es wahrlich rascheln und klirren hörte - manchmal glaubte ich sogar, das Christkind gesehen zu haben. Glaubt es mir, ich habe es wirklich gesehen!
Das war erst der Anfang meiner unvergessenen Weihnachtsfeste!

Mein Vati war damals, 1980, noch am Bahnhof in Bad Radkersburg bedienstet. Dieser Dienst musste auch am Hl. Abend verrichtet werden. So durfte ich meinen Vati voller Stolz, trotz der aufregenden Heimlichkeiten zu Hause, zum Dienst begleiten.
Trotz der damaligen Wetterbedingungen begaben wir uns zu Fuß zum Bahnhof Diepersdorf und warteten im Wartehäuschen, welches sogar zwei Toiletten auf der Rückseite aufweisen konnte. Nach nicht allzu langer Wartezeit kam der Triebwagen und los ging die Fahrt. Aber wir hatten nicht einen Sitzplatz im Waggon, nein – hoch hinauf in die Kabine des Lokführers stiegen wir. Das war der Traum eines jeden Kindes – einmal vorne in die Lok! Ich werde diesen Anblick nie mehr vergessen, auch die Bekleidung der Lokführer blieb manifestiert - der graue Mantel!

Und los ging es, dieses Geruckel und Gerummle, das Knarren und Gepfeife - unbeschreiblich, unvergesslich. Vorbei zogen die Landschaften, die Bahnhöfe, die Wälder und alsbald waren wir an unserem Ziel – am Bahnhof Bad Radkersburg.
Schräg gegenüber des Bahnhofs befand sich das Heizhaus, Vatis Dienstort, dessen schmieriger Duft mir noch heute in die Nase steigt, so als würde ich wieder als Kind durch die Türe gehen. Ich höre das Geknister, welches aus dem riesigen, hohen Ofen kommt und verspüre eine wohlige Wärme. Wärme und Licht – Weihnachten! Nachdem Vati seine Arbeiten gewissenhaft, erledigt hatte und ich ihm auf Schritt und Tritt verfolgt habe, und sicherlich einige Löcher in den Bauch gefragt hatte, war es wieder an der Zeit mit dem Zug heimzufahren. Nach Hause. Oh Gott! Ich hatte ja ganz vergessen, dass heute das Christkind kommt!