Simon Persaud, 5 Fragen 5 Antworten

01. 09. 2020

Es ist gar nicht so lange her, da ist Simon Persaud in einem der legendären roten Doppeldeckerbusen hinterm Lenkrad gesessen. Jahrzehntelang fuhr er seine Fahrgäste sicher durch die Strassen der britischen Metropole.

Doch jetzt heißt es für ihn Wienerwald statt Großstadtdschungel, Pressbaum statt Paddington, Hütteldorf statt Trafalgar Square. Er hat London der Liebe wegen den Rücken gekehrt und ist jetzt Fahrer eines Postbusses im idyllischen Wienerwald. Seit 33 Jahren sitzt er schon hinter dem Lenkrad, da ist ihm natürlich schon einiges untergekommen.

Woher kommt Ihre Liebe zum Bus?

Mein Vater war schon Busfahrer. Er kam aus Britisch-Guayana in Südamerika nach London, weil er im Fernsehen eine Werbung von London Transport gesehen hat, dass sie Fahrer suchen. Und er ist mit den Stockbus gefahren. Das war für mich so …wow. Da habe ich schon als Kind gewusst, dass ich das auch machen möchte.
Und mein Traum ist wahr geworden.

Vermissen Sie die Zeit in London als Busfahrer?

Das war natürlich eine tolle Zeit. Ich war in ganz London unterwegs, bin die berühmten Stockbusse gefahren, aber auch Singledecker. Die Doppeldecker sind natürlich etwas ganz Besonderes. Du bist da nicht nur eine Touristenattraktion, du bist ein Teil von London.

Jetzt könnte ich das nicht mehr. Das ist mir zu stressig. Ich genieße das ruhige Landleben. London hat sich verändert und hier ist es einfach perfekt. Ich will es nicht mehr und nicht weniger.

Was ist Ihre Lieblingsstrecke?

In London war es meine alte Linie N92 von North Finchley to Kingston. Das war meine Lieblingsstrecke, eine lange Strecke durch einen schönen Teil von London mit über 90 Minuten Fahrzeit, die ich mit dem Nachtbus gefahren bin. Hier habe ich noch nicht soviel unterschiedliche Strecken gemacht, aber natürlich ist es super hier im Wienerwald.

Zu welcher Uhrzeit sind Sie am liebsten mit dem Bus unterwegs?

In London habe ich immer den Spätdienst gemacht. Da hatte ich die Wahl. Hier beginnt mein Dienst schon in aller Früh. Da ist es oft auch noch dunkel. Und es ist weniger Verkehr. Also nicht viel anders.

Warum sollte man mehr Bus fahren und das Auto stehen lassen?

Das ist auf jedenfalls besser. Natürlich für das Klima, aber auch für die Menschen. Es ist kein Stress. Wenn du einen stressigen Tag im Büro hast willst du nicht mit dem Auto fahren. Du kannst dich in meinen Bus setzen und ich fahre. Und wenn du zuhause ankommst bist du mehr relaxed.
Der Bus und ich sind immer für dich da.

Simon ist auch der Star unserer neuesten Gleisgeschichten: Postbus very British

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